Mehr Spielhallen denn je

Mehr Spielhallen denn je besuchen

Eigentlich sollte das neue Spielhallengesetz die unaufhaltsame Vermehrung der Betriebe dämmen. Leider scheint diese Regelung ihre Wirkung deutlich zu verfehlen, denn trotz strikter Abstandsgesetze und anderer Vorgaben werden immer mehr Spielhallen in Deutschland eröffnet – zum Leidwesen der Spielsuchtexperten, die in der nahen Zukunft mit noch mehr „Patienten“ rechnen müssen.

Von juristischer Seite her scheinen die neuen Gesetze ohnehin verfassungswidrig zu sein, und auch zahlreiche Kritiker haben sich gegen die neue Spielhallenverordnung ausgesprochen, die laut ihnen einen „Eingriff in die Gewerbefreiheit“ darstellt. Auch in Hessen hat man das Gesetz 2012 verabschiedet, aus dem hervorgeht, dass die Betriebszeiten verkürzt und die Abstände zwischen zwei Spielhallen auf mindestens 300 Meter erweitert werden sollen. Zwischen vier Uhr und zehn Uhr am Morgen dürfen die Betriebe nicht öffnen, sondern sie haben sich an die strikten Sperrzeiten zu halten. Grund dafür ist unter anderem die Tatsache, dass Schüler geschützt werden sollen, die am Morgen den Weg in die Schule antreten. Andererseits wurde der Heimweg offensichtlich nicht berücksichtigt, so dass es besagten Schülern letztlich doch möglich ist, die nächste Spielhalle nach Schulschluss aufzusuchen – sofern sie denn mindestens 18 Jahre alt sind.

Eine weitere Regelung besagt den Verbot von Mehrfachkonzessionen. Es gibt demnach nur noch eine Lizenz pro Betrieb. Diese legt fest, wie viele Geräte überhaupt betrieben werden. So langsam kristallisiert sich heraus, dass alle neuen Verordnungen kaum die Wirkung haben, die ursprünglich geplant war. Nachdem das Gesetz vor rund einem Jahr verabschiedet wurde, hat Hessen dennoch weitere 60 Spielstätten zugelassen. Darunter befinden sich diverse Betriebe, die zwar schon bestanden, denen man aber dennoch eine neue Konzession hat ausstellen müssen, damit sie weiter existieren können.

Das Land versucht bereits seit längerem, der Spielsucht auf mehrere Weise entgegenzuwirken. Die anerkannte Krankheit ist deutschlandweit stärker im „Trend“ denn je, und vor allen Dingen Spielhallen wird Schuld daran gegeben. Letztlich sind es aber gerade unkontrollierte Anbieter, die Grauzonen ausnutzen, um ihr Spielangebot weiterzugeben. Ihnen müsste das Land eigentlich viel stärker auf die Füße treten. Kein Wunder also, dass Spielhallenbetreiber rebellieren und sich immer weiter ausbreiten, ohne dass irgendwelche Gesetze anständig greifen würden. Mittlerweile steht sogar der Münzautomaten Verband Hessen vor Gericht, um sich gegen den bereits erwähnten Eingriff in die Gewerbefreiheit zu wehren. Laut den Zuständigen führt eine deutlich verlängerte Sperrzeit erst recht dazu, dass sich Menschen den illegalen Angeboten zuwenden, da sie sicherlich nicht zufrieden damit sind, vor verschlossenen Türen der lokalen Spielhallen zu stehen. Ein „Dann gehe ich halt nach Hause und wende mich anderen Dingen zu“ wird man von Spiel-Liebhabern kaum hören.

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